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Ich werde als externe Mediatorin häufig hinzugezogen, wenn der Konflikt emotional bereits sehr eskaliert ist und es wechselseitig zu schweren Verletzungen gekommen ist. Ich führe in diesen Fällen mit den Beteiligten in der Regel getrennte Vorgespräche und frage sie in diesem Rahmen, welchen Weg sie mit der anderen Konfliktpartei generell gehen möchten: Den Weg der zukünftigen Kooperation, Entflechtung oder einvernehmlichen Trennung.

Das Reframing bleibt einer meiner absoluten Methodenlieblinge, mein erster Beitrag dazu Reframing im Zuhören liegt schon 5 Jahre zurück. Nach wie vor nutze ich dieses Werkzeug in fast jeder Phase einer Mediation. Es ist ein Werkzeug für mich, das mir hilft, in meinen Vorstellungen und Wahrnehmungen meinen Kunden gegenüber flexibel zu bleiben und weitere – hoffentlich hilfreiche - Hypothesen bilden zu können. Als Methode unterstützt es Konfliktparteien zugleich, den Konflikt aufzulösen, u.a. indem sie versuchen, die Blickrichtung zu wechseln und Geschehnisse oder Verhalten umzudeuten.

Konfliktmoderator*innen erleben nicht selten, dass Konfliktparteien sich im Eifer des Konfliktes wechselseitig negative Weltanschauungen vorwerfen. Man erkennt diese Vorwürfe daran, dass die jeweilige Weltanschauungsbezeichnung ein „-ismus“ aufweist und offensichtlich negativ gemeint ist („Wohlfahrtstourismus“, „Rassismus“ usw.). Unterschiedliche Auffassungen von der richtigen Weltsicht erzeugen als Intragruppenkonflikte oft erhebliche Unsicherheit innerhalb der Gruppe. Sie fördern bei Gruppenmitgliedern Gemeinschafts- und Zugehörigkeitszweifel, lösen Berührungsbefürchtungen aus und setzen erhebliche Energie zur kognitiven Abwehr frei. Sie können Gruppen spalten und zu Intergruppenkonflikten werden, in denen die ursprünglichen Ambivalenzen aus der einst gemeinsamen Gruppe einen für Außenstehende schwer verständlichen Hass aufeinander erzeugen. Dies belegen schmerzhafte Spaltungsprozesse in Familien und  politischen Parteien ebenso wie die Konfliktgeschichte des Christentums. Für die moderative Konfliktbehandlung scheint es daher sinnvoll, die konfliktverschärfende Kraft der Kommunikation über eine unterschiedliche Weltsicht genau in den Blick zu nehmen.

Wie so einige Kolleg*innen habe ich pandemiebedingt – und somit im Grunde unfreiwillig – damit begonnen, Mediationen in den virtuellen Raum zu verlegen. Damals war für mich völlig klar, dass ich vollumfänglich in Präsenz zurückkehren würde, sobald es nur irgendwie möglich sein würde. Videokonferenzen waren für mich ausschließlich ein Hilfsmittel in der Krisenbewältigung.

Die Frage nach der Dauer einer Mediation interessiert aus zwei Perspektiven. Auf der Hand liegt die Perspektive der potentiellen Mediationsparteien: Um mich gut informiert entscheiden zu können, ob Mediation für die Klärung meines Konflikts in Frage kommt, möchte ich wissen, wie das Verfahren abläuft, auf was ich mich inhaltlich, vom Verfahren her und natürlich in zeitlicher Hinsicht einstellen muss. Im Windschatten dieser Frage steht zugleich oft das berechtigte Interesse, einen ersten Hinweis auf die mutmaßlichen Kosten einer Mediation zu erhalten – die ebenfalls ein wichtiges Entscheidungskriterium für oder gegen eine Mediation darstellen können (die Frage „Was kostet eine Mediation?“ hat allerdings mindestens einen eigenen Blogbeitrag verdient).

Mediation basiert auf der Gleichberechtigung aller Menschen – egal welcher Herkunft, welchen Geschlechts, welcher sexuellen Orientierung, welcher Religion oder mit Blick auf sonstige Unterschiede. Es ist somit unsere Aufgabe als Mediator*innen, dafür Sorge zu tragen, dass alle Beteiligten in der Mediation einerseits mit Respekt behandelt werden und sich andererseits mit ihren Interessen und Werthaltungen einbringen können.

Unter der Überschrift „Wen schaue ich an? Der Blick in Online-Mediationen“ reflektiert der schottische Mediator Charlie Irvine sehr anschaulich, welch bedeutende Rolle der Blick des Mediators in Präsenz-Mediationen (insbesondere mit vielen Beteiligten) hat – und wie anders das Schauen und Anschauen in Online-Mediationen funktioniert. Seine Überlegungen haben mich angeregt, meine eigene Praxis in Online-Mediationen – die wie bei so vielen Kolleginnen und Kollegen wirklich rein pandemiebedingt entstanden und dann zügig beträchtlich gewachsen ist – unter diesem Gesichtspunkt Revue passieren zu lassen.

In den meisten Fällen, in denen ich zwischen Gruppen mediiere, werde ich zu einem konkreten Sachthema gerufen. Die Beteiligten merken, dass sie sich festgefahren haben und dass das ungelöste Thema mittlerweile auf eine persönliche Ebene gerutscht ist. In einem Unternehmen ist beispielsweise die Stimmung angespannt, wenn Mitglieder der Geschäftsführung und des Betriebsrats gemeinsam in der Teeküche sind. Oder bei einer Konferenz sagt jemand: "Wenn Blicke töten könnten…", weil die Vetreter*innen zweier NGOs bei Beiträgen der anderen mit den Augen rollen, seufzen oder kurz auflachen. Oftmals ist den Beteiligten klar, dass das Sachthema zeitnah konstruktiv bearbeitet werden sollte, um eine weitere Eskalation auf der Beziehungsebene zu verhindern.

Mit Corona und den damit einhergehenden Einschränkungen, sich persönlich zu treffen, starten Videokonferenzsysteme ihren Siegeszug.  Auch in der klassischen Beratung ersetzen synchrone Videokonferenzen die Arbeit von Angesicht zu Angesicht. Selbst wenn sie für viele keinen vollwertigen Ersatz bieten, so ermöglichen sie zumindest zum Teil, Mimik, Gestik und Körperhaltung mitzubekommen und so ein Gefühl für die Stimmungen im Raum zu entwickeln.

Wie in meinem Beitrag Online-Moderation in Zeiten von Corona vorgestellt, unterscheide ich drei Aufgaben einer Online-Beratung bzw. Moderation, die durch Online-Werkzeuge technisch unterstützt werden können:

  1. Die Kommunikation zwischen den Beteiligten
  2. Die Visualisierung von Inhalten
  3. Die Beteiligung der Teilnehmenden
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