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Vor kurzem habe ich an einer Fortbildung zum Thema Systemisch Konsensieren teilgenommen, eine Methode deren Kerngedanke ein wunderbares Aufbrechen von Denkmustern ist. „Konsensieren“ entstammt dem lateinischen Konsens - und es geht demnach grundsätzlich darum, Einigkeit oder Übereinstimmung zwischen Menschen zu erzeugen. Genauer ist es eine Entscheidungsmethode, die sich systembedingt dem Konsens annähert.

Ein angeregter Kneipenabend mit einer Kollegin. Sie arbeitet seit Jahrzehnten als Mediatorin und bildet fast genauso lange Mediator*innen aus. Als sie mir erzählte, dass sie noch nie selbst als Mediandin an einer Mediation beteiligt war, hätte ich ihr vor lauter Überraschung fast mein Bier ins Gesicht geprustet. Wie bitte?! Als sie mir auch noch versicherte, dass sie damit nun wirklich nicht allein sei, sondern die Ausbilder*innen, die selbst Erfahrung als Mediand*innen hätten, ihrem Eindruck nach sogar in der Minderzahl seien, war ich erst einmal sprachlos.

In Mediationsausbildungen fällt manchmal die Frage: Mediation wirke so konstruktiv und positiv. Aber könnten Parteien das Mediationsverfahren nicht auch manipulativ nutzen und es für ihre Ziele quasi zweckentfremden? In der Tat: Immer wieder entscheiden Konfliktparteien sich in einer Mediation bewusst dafür, nicht alle ihre Interessen offen auf den Tisch zu legen, sie verfolgen somit eine „hidden agenda“. Manchmal „riechen“ wir dies als Mediatorinnen förmlich. Wie aber gehen wir eigentlich in der Praxis damit um?