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In den meisten Fällen, in denen ich zwischen Gruppen mediiere, werde ich zu einem konkreten Sachthema gerufen. Die Beteiligten merken, dass sie sich festgefahren haben und dass das ungelöste Thema mittlerweile auf eine persönliche Ebene gerutscht ist. In einem Unternehmen ist beispielsweise die Stimmung angespannt, wenn Mitglieder der Geschäftsführung und des Betriebsrats gemeinsam in der Teeküche sind. Oder bei einer Konferenz sagt jemand: "Wenn Blicke töten könnten…", weil die Vetreter*innen zweier NGOs bei Beiträgen der anderen mit den Augen rollen, seufzen oder kurz auflachen. Oftmals ist den Beteiligten klar, dass das Sachthema zeitnah konstruktiv bearbeitet werden sollte, um eine weitere Eskalation auf der Beziehungsebene zu verhindern.

Mit Corona und den damit einhergehenden Einschränkungen, sich persönlich zu treffen, starten Videokonferenzsysteme ihren Siegeszug.  Auch in der klassischen Beratung ersetzen synchrone Videokonferenzen die Arbeit von Angesicht zu Angesicht. Selbst wenn sie für viele keinen vollwertigen Ersatz bieten, so ermöglichen sie zumindest zum Teil, Mimik, Gestik und Körperhaltung mitzubekommen und so ein Gefühl für die Stimmungen im Raum zu entwickeln.

Wie in meinem Beitrag Online-Moderation in Zeiten von Corona vorgestellt, unterscheide ich drei Aufgaben einer Online-Beratung bzw. Moderation, die durch Online-Werkzeuge technisch unterstützt werden können:

  1. Die Kommunikation zwischen den Beteiligten
  2. Die Visualisierung von Inhalten
  3. Die Beteiligung der Teilnehmenden

Mit dem Ankommen der Corona-Krise in Deutschland, sind mir, ähnlich wie vielen meiner Kolleginnen, die Aufträge für das laufende Jahr weggebrochen. Innerhalb von vier Tagen hagelte es eine Absage nach der anderen. Nachdem der erste Schock überwunden ist, sortiert sich die Lage neu. Erste Aufträge für Online-Moderationen trudeln ein, auch wenn diese rein vom Umfang her weit davon entfernt sind, die weggebrochenen Aufträge zu ersetzen. Zugleich habe ich mich intensiv mit meinen Kolleginnen über die Situation ausgetauscht. Ein willkommener Anlass, hier im Blog eine kleine Zwischenbilanz zu ziehen.

Vieles ist im virtuellen Raum grundlegend anders. Deshalb habe ich bei mir selbst und auch bei Kolleg*innen anfänglich großes Zögern erlebt, weil online schlicht vieles nicht so funktioniert wie in einem realen Raum. Da ruckelt das Bild, da hallt die Stimme, die Visualisierung ist nicht so einfach. Für die digital affinen Menschen unter uns ist das kein Problem: Eine Kollegin hat – schwupps! – eine zweite Kamera installiert, und alle können die handgeschriebenen Karten auf dem geteilten Bildschirm sehen. Ich hingegen weiß nicht einmal, wie ich eine Kamera an meinem Rechner installiert bekomme! Ein Kollege erzählte mir nebenbei, dass er seine Internetverbindung jetzt natürlich mal perfektioniert habe, damit das stabil machbar ist. Ich konnte nur bewundernd nicken…

Ohne diesen Virus wäre ich vermutlich nie auf die Idee gekommen, online Konfliktbearbeitung anzubieten. Wenn ich mit den Beteiligten in einem Raum sitze, so höre und sehe ich die Konfliktparteien nicht nur, sondern spüre sie auch. Und nicht zu unterschätzen: Sie spüren sich ebenfalls. Häufig erinnere ich mich bei Mediationen an den emotionalen Wendepunkt: Den Moment, in dem sich geradezu magisch die Atmosphäre im Raum verändert, die Beteiligten sich wieder füreinander öffnen und feststellen, dass nicht der*die andere das Problem ist, sondern sie schlicht gemeinsam gravierende Probleme haben. Mir fehlt offen gestanden auch heute noch die Fantasie, wie das bitte online gehen soll.

Manche Fragen sind in der Mediationslandschaft echte Dauerbrenner und werden kontinuierlich kontrovers und engagiert diskutiert – es geht dabei in der Regel um grundlegende Prinzipien, Haltung und Handwerkszeug zugleich. Ein solcher Klassiker ist zum Beispiel die Frage, wie ich als Mediatorin damit umgehe, wenn zwischen den Beteiligten offenkundig ein klares Machtungleichgewicht besteht. In welcher Verantwortung sehe ich mich dann, welches methodische Repertoire steht mir zur Verfügung? Dazu passen etwa die Beiträge von Alexander Redlich in diesem Blog über seine Haltung im Umgang mit Situationen in Gruppenkonflikten, in denen es heißt: „Alle gegen einen!“

„Wo findet die Mediation statt?“ Nicht immer gibt es bei dieser Frage viel Gestaltungsspielraum – etwa, weil klar ist, dass die Mediation in den (begrenzten) Räumen der Mediationsparteien stattfinden soll. Sei es, um mit kurzen Wegen Zeit und Aufwand zu sparen. Sei es, weil keine finanziellen Mittel für die Anmietung eines externen Raumes zur Verfügung stehen.

Dann übt man sich als Mediatorin in der Kunst der Improvisation und macht das Beste aus den Gegebenheiten. Erste Pflicht in solchen Situationen: Rechtzeitig vorher vor Ort sein!

In meiner praktischen Tätigkeit als Mediatorin für Konflikte in Organisationen habe ich es mit sehr verschiedenen Konfliktthemen zu tun. Nichtsdestotrotz ist den Konflikten gemein, dass sie in der Regel wenig rechtlich durchgeformt sind: Meist sind noch keine Anwältinnen involviert oder gar ein Gerichtsverfahren anhängig.

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In einem vorigen Beitrag "Wie halte ich es mit der Macht im Machtgefälle?" habe ich begründet, weshalb ich bei starken Machtgefällen in Intragruppenkonflikten mittlerweile bevorzugt nicht mehr mit der Gesamtgruppe, sondern in kleineren Settings arbeite. Wie sehen dann brauchbare Arbeitsformate aus?

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