Themenwahl in der Mediation: Wer bestimmt worüber hier gesprochen wird?

Für Mediatoren ist die Antwort auf die Frage „Wer bestimmt was in der Mediation Thema wird?“ klar: Es sind die Konfliktparteien und nicht die Mediatoren. Nichtsdestotrotz lohnt ein näherer Blick. Auch wenn die Themen ausschließlich von den Konfliktparteien kommen und von ihnen auch zur Bearbeitung ausgewählt werden, so steuern wir Mediatoren doch mit. Wie entscheiden Mediatoren, was sie für ein geeignetes Thema für die Mediation halten?

Mich leiten in meiner Arbeit drei Grundsätze, wenn es an die Auswahl der Themen geht:

  1. Themen, deren Lösung nicht im Handlungsspielraum der anwesenden Konfliktparteien liegt, werden von mir als Mediator hinterfragt. Wollen die Konfliktparteien über ein Konfliktthema sprechen, das sie selbst nicht beeinflussen und lösen können? Will ein Team Auswahlkriterien festlegen, wenn ihre Führungskraft klar sagt: „Personalentscheidungen treffe ich – ich allein!“?
  2. Themen, die sehr allgemein formuliert sind, wie z.B. Stimmung im Team, versuche ich zu konkretisieren. Woran  machen die Beteiligten die schlechte Stimmung fest? In welchen Situationen tritt sie auf? Je konkreter, desto leichter können von den Beteiligten später Lösungen erarbeitet werden.
  3. Themen, die unstrittig sind, werden auf ihren Diskussionsbedarf geprüft. Was selbstverständlich klingt, ist im Tumult des Konfliktes keineswegs immer klar.  Es werden zuweilen Themen eingebracht, die den Konfliktparteien wichtig sind, bei denen sie aber keine unterschiedlichen Standpunkte vertreten. Vielmehr herrscht Einigkeit.

Letztlich entscheiden die Konfliktparteien in einem Aushandlungsprozess, welche Themen in der Mediation besprochen werden. Ich steuere mit, hinterfrage und nehme als Mediator Einfluss – nicht zu Gunsten einer Partei, sondern im Sinne eines der Bearbeitbarkeit von Konfliktthemen.

Was sind Ihre Erfahrungen? Haben auch Sie Kriterien, nach denen Sie die Themenwahl in der Mediation steuern?

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